Warum das Unbewusste den Beinahe-Gewinn liebt
Wie bei anderen Süchten kann Hypnose bei Spielsucht helfen — gemeint ist damit die Sucht nach Glücksspiel, nicht nach Computerspielen. Da pathologisches Spielen mittlerweile in dieselbe Kategorie gehört wie Substanzsüchte, ist auch der Behandlungsansatz ähnlich.
Die hypnotische Sicht auf die Spielsucht
Wer verstehen will, warum manche Menschen so viel fürs Spiel opfern und dabei teilweise ihre ganze Realität verzerren, muss verstehen, wie das Unbewusste in einer solchen Situation funktioniert. Das Unbewusste sorgt grundsätzlich fürs Überleben — und dazu gehört, den einfachsten Weg zu nehmen, um an Ressourcen zu kommen. Deshalb belohnt es einen Gewinn bei manchen Menschen überproportional mit Glückshormonen.
Viele, die eine Spielsucht entwickelt haben, erzählen von einer anfänglichen Gewinnphase — die ersten Erfolge und die damit verbundenen Glücksgefühle sind oft der erste Schritt in Richtung Sucht. Für das Unbewusste wird das Spielen so zu einem einfachen Weg, Befriedigung zu erhalten. Die Erregung und Spannung dabei lässt sich ausserdem hervorragend nutzen, um anderes zu überdecken oder negative Gefühle auszubalancieren — wer im Spieltrieb ist, vergisst oft alles andere.
Es entsteht so etwas wie eine Spieltrance, in der vieles auf Autopilot läuft und der bewusste Verstand kaum mehr mitzureden hat — deshalb wird Glücksspielsucht auch als Impulskontrollstörung bezeichnet. Viele beschreiben sich dabei «wie ein anderer Mensch». Das Spielen oder Wetten wird so immer mehr zur Haupttaktik des Unbewussten, um Probleme auszubalancieren — kein Wunder, dass sich die Gedanken zunehmend ums Spiel drehen.
Je mehr, desto mehr
Je mehr das Glücksspiel im Leben überhandnimmt, desto mehr wird es auch zur Identität — man prahlt mit Gewinnen und spielt das Idealbild des Gewinners. Dabei ist jedes Glücksspiel, ob im Casino oder online, von Roulette bis Rubbellos, so konzipiert, dass die Bank über längere Zeit im Plus ist und der Spieler im Minus. Wer lange genug spielt, verliert also fast immer — mit entsprechend wachsenden finanziellen Konsequenzen und manchmal erster Verzweiflung.
Was hat das Unbewusste dann zur perfekten Lösung für negative Gefühle erkoren? Das Spielen selbst. So entsteht ein Teufelskreis aus negativen Gefühlen und dem immer öfter scheiternden Versuch, sie zu kompensieren — je mehr verloren wird, desto mehr wird gespielt. Die Realität der Verluste muss dabei zunehmend kleingeredet werden, und viele glauben, sie könnten Verluste mit weiteren Gewinnen ausgleichen. Dass das statistisch praktisch unmöglich ist, spielt keine Rolle mehr, weil der bewusste Verstand seinen Einfluss verloren hat.
Dazu kommt, dass sich das System an die Erregung gewöhnt: Es braucht immer höhere Einsätze, um dieselbe Spannung zu erreichen, und immer mehr Geld muss herangeschafft werden — Betteln, Ausleihen und Stehlen inklusive. Beziehungen gehen dabei oft in die Brüche, was die Isolation weiter verstärkt und mögliche Auswege zusätzlich verbaut.
Der Verlauf ist nicht immer geradlinig
Der Verlauf einer Spielsucht wird nicht immer stetig schlechter — im Leben vieler Betroffener wechseln sich Episoden von Absturz und Auffangen ab. Sind diese Muster im Gehirn aber erst gefestigt, sind sie schwer wieder loszuwerden. Die Gefahr eines Rückfalls bleibt bestehen, bis das Unbewusste von einer anderen Taktik überzeugt und neue Abläufe gelernt hat — nur eine Veränderung von Grund auf führt aus der Spielsucht heraus. Wo der bewusste Verstand allein die nötige Veränderung nicht schafft, bietet Hypnosetherapie eine gute Möglichkeit für echten Fortschritt.
Wie die Behandlung abläuft
Egal, in welcher Phase der Spielerkarriere du dich befindest — Hypnose bietet Wege, die Spielsucht zu behandeln, ähnlich wie bei Süchten nach Substanzen. Im Kern muss das Unbewusste davon überzeugt werden, nicht mehr nach dem Spielen zu verlangen. Da der unbewusste Anteil von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, sieht auch der genaue Ablauf jedes Mal etwas anders aus — bestimmte Elemente kommen aber immer wieder vor.
Bei glücksspielbezogenem Suchtverhalten gibt es oft eine Trennung zwischen bewusstem Verstand und unbewussten Anteilen — sie zeigt sich meist im Satz «Ich weiss, ich sollte aufhören, aber ich kann es nicht». Das Unbewusste ist in solchen Fällen noch zu stark am Ruder, und die Impulse werden noch nicht ausreichend kontrolliert. In der Hypnose können alle Anteile miteinander in Verbindung treten: Mit direkterer Kommunikation gewinnt der bewusste Verstand einen Teil der Kontrolle zurück, während dem Unbewussten gleichzeitig eine gewisse Logik nähergebracht wird — es entsteht besseres Verständnis und oft auch spürbare Stressreduktion.
Ist wieder eine gewisse Kontrolle da und wird das Loch nicht weiter vertieft, lässt sich das Spielen wirklich beenden. Dazu wird es meist mit etwas Positivem ersetzt — häufig nutzt die Hypnosetherapie dafür die Möglichkeit, das Belohnungszentrum gewissermassen zurückzusetzen. Danach werden andere Abläufe im Unbewussten eingeübt, um das alte Muster zu unterbrechen: Das Spielen verliert seinen Platz als Erste-Wahl-Taktik, und die Belohnung im Gehirn wird reduziert oder ganz aufgelöst.

