Warum Kontrolle nicht das Ziel ist
Das wiederholte Berühren, Quetschen, Rumzupfen oder Kratzen an der eigenen Haut — fachlich Dermatillomanie oder Skin Picking Disorder, eine Form von körperfokussiertem repetitivem Verhalten (BFRB) — kann von lästig bis zerstörerisch ganz unterschiedliche Ausmasse annehmen. So oder so steckt eine psychologische und emotionale Komponente dahinter. Genau diesen Teil gehen wir mit Hypnose an — auch wenn schon anderes versucht wurde, gilt: Hypnose kann helfen, sich selbst in Ruhe zu lassen.
Zwang oder Sucht?
Wenn im Namen «Manie» vorkommt, wird meist zu viel Energie an den falschen Ort geleitet. Skin Picking wird als Impulskontrollstörung bezeichnet — für mich als Hypnosetherapeut ist die Kontrolle der Impulse aber viel weniger wichtig, als dich dahin zu führen, gar keine Impulse mehr zu haben. Oft wird auch gefragt, ob Skin Picking nun eine Sucht oder eine Zwangsstörung sei. In der Hypnose spielt das kaum eine Rolle — genauso wenig, ob es eine psychische Erkrankung oder Störung genannt wird. Der Name des Problems ist mir weniger wichtig als die Form der Lösung: das Skin Picking zu stoppen, indem wir die unbewussten Auslöser verändern und die Energie für Positives nutzen.
Skin Picking aus Sicht der Hypnose
Die Sicht der Hypnose geht bei den meisten Problemen etwas tiefer als das Klischee — der geübte Hypnosetherapeut weiss, dass das Unbewusste nie einfach so etwas tut. Sogar selbstschädigendes Verhalten wie das Zupfen an der Haut hat eine gewisse positive Absicht. Viele Betroffene denken sich «Nein, das ist nur dumm» oder «Ich muss damit aufhören» — aber vielleicht ist genau dieses Sich-selbst-schlecht-Machen schon Teil des Problems. Das Unbewusste will vor allem überleben, nicht unbedingt gut leben. Skin Picking ist deshalb ein Umgang mit inneren Impulsen und Emotionen.
Ventil
Mit negativen Emotionen, Stress oder Anspannung muss irgendwie umgegangen werden — es gibt geeignetere und weniger geeignete Techniken dafür, und das Zerstören der eigenen Haut zählt in die zweite Kategorie. Trotzdem kann es ein Hinweis auf zu wenig beachtete Emotionen sein. Wer jemandem schadet, mag diese Person meistens nicht besonders — vor allem, wenn es sich um einen selbst handelt.
Selbstkritik und Autoaggression
Skin Picking passiert wahrscheinlich nicht zufällig häufig im Gesicht oder an anderen sichtbaren Stellen: Das Innere wird nach aussen getragen, und das Nicht-in-Ruhe-lassen der eigenen Haut ist meist die ultimative Selbstkritik. So entsteht ein Teufelskreis, weil bei jedem Blick in den Spiegel wieder mehr Ablehnung gegen sich selbst entsteht.
Oft steckt dahinter auch eine unterschwellige Aggression gegen sich selbst — diese Autoaggression kann ein Zeichen für die Ablehnung von sich selbst oder Teilen von sich selbst sein. Die meisten, die an sich rumzupfen oder kratzen, würden sich selbst nicht als aggressiv bezeichnen. Genau hier liegt aber oft das Problem: Wer sich nicht erlaubt, Frust rauszulassen und sich durchzusetzen, bei dem bleiben Frust und Stress angestaut.
Wie Hypnose die Haut in Ruhe lässt
Das Ziel der Hypnosetherapie ist die Fähigkeit, sich selbst in Ruhe lassen zu können — der Weg dahin ist individuell unterschiedlich. Der Vorteil von Hypnose ist, dass wir das Problem direkt im Unbewussten angehen können, was die Erfolgswahrscheinlichkeit gegenüber vielen anderen Methoden erhöht.
Es gibt erfahrungsgemäss viele Gründe für Stress und überfordernde Emotionen — die Lösung ist oft ein ruhigerer Umgang mit den Gefühlen selbst. Bringen wir hypnotisch Ruhe ins Innenleben, reduziert das Stress, und diese Ruhe breitet sich häufig auch auf die Haut aus. «In Ruhe lassen» bekommt so zwei Bedeutungen zugleich — und das ist bei akuten Fällen oft schon der erste Schritt.
Selbstbild und Selbstrespekt
Die Wahrnehmung des eigenen Selbst hat grossen Einfluss auf das eigene Verhalten — und genau diese Bewertung lässt sich mit Hypnose beeinflussen. Statt Skin Picking als «schlecht» oder «falsch» zu bewerten, verschiebt sich die Bewertung hin zu «ok». Das hat den Vorteil, dass aus dem Verhalten selbst kein zusätzlicher Stress mehr entsteht, weil es weder gut noch schlecht, sondern einfach ok ist — das wirkt sich positiv auf das gesamte Selbstbild aus und reduziert die Ablehnung.
Viele sprechen von Selbstliebe, aber Liebe ist nicht immer der beste Ratgeber. Die Grundlage der Arbeit ist deshalb Selbstrespekt: Wen wir respektieren, den lassen wir meistens auch in Ruhe — und aus Respekt kann mit der Zeit sogar Mögen entstehen. Läuft das mit sich selbst genauso ab, lässt sich das Skin Picking beenden und durch positive Selbstpflege ersetzen. Wer sich selbst respektiert, schaut zu sich und zur eigenen Haut, auch in stressigen Situationen.

