Ich lehne niemanden wegen einer Medikamenteneinnahme ab. Trotzdem macht es einen Unterschied, womit du zur Sitzung kommst.
Warum manche Substanzen die Trance dämpfen
Alles, was direkt auf das zentrale Nervensystem wirkt, verändert auch, wie zugänglich du für Suggestionen bist. Bei starken Psychopharmaka – etwa hochdosierten Beruhigungsmitteln, manchen Antipsychotika oder Benzodiazepinen – reagieren viele Klientinnen und Klienten spürbar gedämpfter: Die Trance kommt trotzdem zustande, wirkt aber flacher, und die emotionale Beteiligung ist geringer. Bei niedriger dosierten Antidepressiva sehe ich das in der Praxis deutlich seltener – die meisten Klienten, die zum Beispiel ein SSRI nehmen, arbeiten ganz normal mit, ohne dass ich einen Unterschied merke.
Illegale Drogen und Alkohol wirken ähnlich, meist dosisabhängig. Ist jemand auf seinem gewohnten «Arbeitsniveau» leicht angetrunken, lässt sich meistens trotzdem gut arbeiten. Bei stärkerer Berauschung wird es schwierig – nicht, weil dabei etwas Gefährliches passieren würde, sondern weil der bewusste Verstand zu abgelenkt ist, um die Sitzung mitzutragen. Wir würden dann viel Zeit investieren, ohne dass am Ende etwas hängen bleibt.
Was das für deine Sitzung bedeutet
Grundsätzlich gilt: Wenn es dir möglich ist, komm nüchtern zur Sitzung – die Hypnose wirkt dann direkter, und wir kommen schneller zu etwas, das du tatsächlich mitnehmen kannst.
Nimmst du verschriebene Medikamente – etwa gegen Angst, Depression oder Schlafprobleme –, heisst das nicht automatisch, dass Hypnose bei dir schlechter funktioniert. Es heisst nur, dass wir das im Vorgespräch offen ansprechen, damit ich weiss, womit ich arbeite, und die Suggestionen entsprechend anpassen kann. Eine Sache ist mir dabei wichtig: Setz deine Medikamente nie eigenmächtig ab, nur weil sich eine Sitzung gut angefühlt hat. Ob und wie eine Dosis verändert wird, entscheidest du gemeinsam mit der verschreibenden Ärztin oder dem Arzt – nicht auf Basis einer einzelnen Hypnosesitzung.
Bei manchen Anliegen ist die Ausgangslage ohnehin eine andere: Bei Medikamentensucht etwa arbeiten wir gezielt mit der Abhängigkeit von der Substanz selbst, nicht trotz ihr – dort ist die Medikamenteneinnahme nicht das Hindernis, sondern das Thema der Sitzung.