Warum sich Schmerzempfinden verändern lässt
«Ich habe alles machen lassen, und am Ende hiess es, ich müsse damit leben.» Diesen Satz höre ich bei diesem Thema öfter als jeden anderen. Er ist meistens nicht falsch erzählt — nur zu früh zu Ende. Denn selbst wenn am Gewebe nichts mehr zu holen ist, ist damit noch lange nicht entschieden, wie laut der Schmerz sein muss.
Warum wird Schmerz im Gehirn verarbeitet und wie nutzt Hypnose diesen Weg?
Schmerzsignale werden im Gehirn bewertet und gefiltert, bevor sie als Schmerzerleben im Bewusstsein ankommen. Hypnosetherapie greift in diese zentrale Schmerzverarbeitung ein, um die Schmerzintensität drastisch zu senken.
Schmerzsignale werden im Gehirn bewertet und gefiltert, bevor sie als Schmerzerleben im Bewusstsein ankommen. Hypnosetherapie greift in diese zentrale Schmerzverarbeitung ein, um die Schmerzintensität drastisch zu senken.
Auch wenn die Schmerzrezeptoren in deinem Fuss eine Verletzung melden: Was du spürst, wird erst weiter oben gemacht. Die Signale laufen über das Rückenmark ins Gehirn und werden dort in einem Netzwerk verarbeitet, das gleichzeitig für Gefühle, Erinnerungen und Bedeutungen zuständig ist. Das ist evolutionär sinnvoll — Schmerz soll ja nicht nur gemeldet, sondern auch ernst genommen werden.
Zwei Dinge folgen daraus. Erstens: Der Schmerz ist immer echt, auch wenn kein Befund dazu passt. Zweitens: Die Verarbeitung ist keine feste Grösse. Das Organ, das sie leistet, spürt übrigens selbst nichts — das Gehirn ist schmerzunempfindlich, deshalb kann man daran operieren, während jemand wach ist und redet.
Welche Faktoren drehen den inneren Schmerzregler unbewusst nach oben?
Angst, Anspannung und gedankliche Fixierung auf den Schmerz verstärken die Signalweiterleitung im Nervensystem enorm. Durch Hypnose reduzieren wir diesen verstärkenden Stressfaktor spürbar.
Angst, Anspannung und gedankliche Fixierung auf den Schmerz verstärken die Signalweiterleitung im Nervensystem enorm. Durch Hypnose reduzieren wir diesen verstärkenden Stressfaktor spürbar.
Stress und Anspannung verstärken das Erleben zuverlässig, und bei Verspannungen im Rücken, im Nacken oder im Kiefer sind sie oft gleich mitbeteiligt. Dazu kommt, wie du auf den Schmerz reagierst. Manche ziehen sich zurück, andere reagieren mit Wut — verständlich, und beides hält die Anspannung oben.
Und dann ist da die Erwartung. Wer seit Monaten weiss, dass die Bewegung weh tun wird, bewegt sich vorsichtiger, schont, verkrampft, und der nächste Schmerz kommt pünktlich. So schliesst sich der Kreis, in dem psychosomatische Anteile und körperliche Anteile längst nicht mehr zu trennen sind. Sie müssen es auch nicht sein, damit sich etwas bewegt.
Wie lässt sich ein chronisches Schmerzgedächtnis im Gehirn überschreiben?
Ein Schmerzgedächtnis feuert Signale weiter, selbst wenn die körperliche Gewebeschädigung längst abgeheilt ist. In der Trance überschreiben wir diese Fehlkopplung mit Entspannungs- und Schmerzfreiheitsreizen.
Ein Schmerzgedächtnis feuert Signale weiter, selbst wenn die körperliche Gewebeschädigung längst abgeheilt ist. In der Trance überschreiben wir diese Fehlkopplung mit Entspannungs- und Schmerzfreiheitsreizen.
Wer lange mit Schmerz lebt, gräbt ihn ein. Das Nervensystem wird empfindlicher, und die Reaktion läuft irgendwann automatisch los, ohne dass es dafür noch den ursprünglichen Anlass braucht. Umgangssprachlich heisst das Schmerzgedächtnis. Es ist kein Ordner, in dem alte Schmerzen liegen, sondern ein eingeübtes Muster — und eingeübte Muster kann man nicht löschen, so wenig wie man Velofahren verlernt, indem man es sich vornimmt.
Überschreiben geht. Was gelernt wurde, lässt sich überlernen: Die alte Reaktion bleibt vorhanden, verliert aber ihren Vorrang, sobald eine andere öfter passiert. Genau daran arbeiten wir in der Trance — an der Erwartung, an der Angst vor der nächsten Welle, an der Schonhaltung, die sich niemand ausgesucht hat.
Warum gelingt die Schmerzdistanzierung in der Trance besonders effektiv?
In tiefen Trancezuständen wird die emotionale Bewertung von Schmerz abgekoppelt, sodass Empfindungen als neutral oder weit entfernt wahrgenommen werden. Das bringt unmittelbare körperliche Erleichterung.
In tiefen Trancezuständen wird die emotionale Bewertung von Schmerz abgekoppelt, sodass Empfindungen als neutral oder weit entfernt wahrgenommen werden. Das bringt unmittelbare körperliche Erleichterung.
Die hypnotische Entspannung ist der Zustand, in dem das Nachdenken über den Schmerz aufhört und trotzdem gearbeitet werden kann. Mit inneren Bildern und Suggestionen verändert sich das Empfinden dort direkt, oft schon in der ersten Sitzung.
Für die meisten ist nicht das Wichtigste, wie lange diese Erleichterung anhält. Wichtig ist, dass sie überhaupt eintritt. Wem jahrelang gesagt wurde, das bleibe jetzt so, der macht in dieser Stunde eine andere Erfahrung — und ab da ist die Frage nicht mehr, ob sich etwas bewegen lässt, sondern nur noch, wie weit.

