Woher die Flugangst kommt – und was im Probeflug passiert
«Ich weiss ja, dass Fliegen sicher ist.» Kaum einen Satz höre ich so oft, meistens in den ersten zwei Minuten und fast entschuldigend. Er stimmt ja auch. Nur ist er das Problem und nicht die Lösung: Deine Angst hat ihn längst gehört und sich nicht daran gestört.
Warum löst das Fliegen bei Aviophobie so starke unbewusste Alarmreaktionen aus?
Flugangst speist sich aus dem Gefühl des Kontrollverlusts und dem Ausgeliefertsein in großer Höhe auf engem Raum. Hypnosetherapie verändert die unbewusste Gefahrenbewertung, sodass Fliegen wieder neutral erlebt werden kann.
Flugangst speist sich aus dem Gefühl des Kontrollverlusts und dem Ausgeliefertsein in großer Höhe auf engem Raum. Hypnosetherapie verändert die unbewusste Gefahrenbewertung, sodass Fliegen wieder neutral erlebt werden kann.
Dein Unbewusstes ist nicht für Flugreisen gebaut. Es hat sich über sehr lange Zeit darauf spezialisiert, dich in einer Welt aus Wald, Wetter und Raubtieren am Leben zu halten – und darin gab es nichts, was einem Aluminiumrohr in elf Kilometern Höhe ähnlich sah. Also stuft es die Sache im Zweifel als gefährlich ein.
Das ist keine Fehlfunktion, sondern die vorsichtige Variante – und die hat unsere Vorfahren durchgebracht. Für dich heisst es nur: Der Alarm geht los, obwohl nichts ist. Er fühlt sich trotzdem echt an, weil dein Körper ihn ernst nimmt – Herzrasen, flacher Atem, Übelkeit, manchmal eine Panikattacke. Darin unterscheidet sich die Flugangst von keiner anderen Angst.
Wie verankert das Gehirn die Angst vor dem Fliegen im Unbewussten?
Ein einziges Turbulenzereignis oder aufgestaute Grundanspannung genügen, damit das Unbewusste das Flugzeug als Lebensgefahr abspeichert. Durch Hypnose lösen wir diese veraltete Notfallschaltung auf.
Ein einziges Turbulenzereignis oder aufgestaute Grundanspannung genügen, damit das Unbewusste das Flugzeug als Lebensgefahr abspeichert. Durch Hypnose lösen wir diese veraltete Notfallschaltung auf.
Nicht jeder mit Flugangst hat einen schlimmen Flug hinter sich. Manchmal reicht ein Ruckeln oder ein Geräusch, das man nicht einordnen kann, und die Fantasie erledigt den Rest – besonders hier, weil Fliegen etwas ist, das man ohnehin nicht überblickt. «Was, wenn die Technik versagt?» ist kein Gedanke, sondern ein Bild. Und Bilder sind die Sprache, in der dein Unbewusstes rechnet.
Gefüttert wird das von aussen: eine Dokumentation über ein Unglück, eine Geschichte am Familientisch. Manchmal ist es schlicht übernommen. Wer als Kind neben einem Elternteil sass, das bei jedem Ruckeln die Armlehne umklammerte, hat früh gelernt, dass hier etwas zu befürchten ist – lange bevor er selbst darüber nachdenken konnte.
Welche Rolle spielt das «Beifahrersyndrom» bei der Entstehung von Flugangst?
Das Unvermögen, die Führung abzugeben und der Technik sowie der Crew zu vertrauen, verstärkt die Panik in der Kabine. In der Trance lernen Sie, die Kontrolle bewusst abzugeben und Entspannung zuzulassen.
Das Unvermögen, die Führung abzugeben und der Technik sowie der Crew zu vertrauen, verstärkt die Panik in der Kabine. In der Trance lernen Sie, die Kontrolle bewusst abzugeben und Entspannung zuzulassen.
Auffällig oft sitzen bei mir Menschen, die im Alltag viel steuern. Im Flugzeug steuern sie zum ersten Mal seit Langem gar nichts: nicht bremsen, nicht ausweichen, nicht aussteigen. Manche nennen das «Beifahrersyndrom» – dasselbe Unbehagen, das viele auf dem Beifahrersitz kennen und das bei Fahrangst aus derselben Wurzel kommt.
Selten kommt nur eine Angst allein. Die Kabine ist eng, die Höhe ist real, also fliegen Klaustrophobie und Höhenangst bei vielen mit. Wo sie da sind, arbeiten wir sie mit, sonst bleibt eine Tür offen.
Wie bereitet der mentale Probeflug in Hypnose auf entspanntes Fliegen vor?
Beim hypnotischen Probeflug gehen Sie Boarding, Start und Turbulenzen in vollkommener körperlicher Ruhe durch. Dadurch lernt das Gehirn im Voraus, dass die Flugsituation sicher bewältigt werden kann.
Beim hypnotischen Probeflug gehen Sie Boarding, Start und Turbulenzen in vollkommener körperlicher Ruhe durch. Dadurch lernt das Gehirn im Voraus, dass die Flugsituation sicher bewältigt werden kann.
Fliegen hat eine Eigenheit: Man kann es nicht ein bisschen tun. Ist die Tür zu, ist die Entscheidung gefallen, und wenn es unangenehm wird, gibt es keinen Ausstieg. Daran scheitert blosses Üben – und genau das löst die Trance auf.
Wir fliegen die Reise einmal durch, während du im Sessel sitzt. Das Kofferpacken. Der Weg zum Flughafen. Check-in, Gate, der Gang durch die Kabine, das Zuklappen der Tür. Der Start, ein Stück Turbulenz, die Landung. Wo es eng wird, halten wir an und arbeiten dort, statt weiterzugehen. Und du kannst jederzeit sagen, dass es reicht – das eine, was der echte Flug dir nicht anbietet.
Am Ende nimmst du meistens einen Anker mit – im Flugzeug ist das dann keine Übung mehr, sondern ein Griff.
Wie viele Hypnosesitzungen sind vor einer Flugreise empfehlenswert?
In der Regel genügen zwei bis fünf Sitzungen, um Flugangst nachhaltig abzubauen und entspannt abzufliegen. Optimal ist ein Start der Therapie einige Wochen vor dem geplanten Flug.
In der Regel genügen zwei bis fünf Sitzungen, um Flugangst nachhaltig abzubauen und entspannt abzufliegen. Optimal ist ein Start der Therapie einige Wochen vor dem geplanten Flug.
Zwei bis fünf Sitzungen sind der übliche Rahmen. Ob du eher unten oder oben landest, hängt weniger am Fliegen als daran, wie lange die Reaktion schon läuft und was sonst noch mit dranhängt.

