Warum jede Sucht denselben Bauplan hat
«Wer sucht, der findet.» Das Wortspiel ist alt und trifft trotzdem genauer als die meisten Erklärungen. Eine Sucht ist eine Suche, die eine brauchbare Antwort gefunden hat — nur eben eine, die immer teurer wird. Und wer wissen will, warum sie so schwer aufzugeben ist, muss zuerst wissen, wonach überhaupt gesucht wurde.
Warum wechselt oft der Suchtstoff, während das unbewusste Muster gleich bleibt?
Ob Alkohol, Nikotin, Medien oder Essen – das zugrunde liegende Suchtmuster im Unbewussten bleibt identisch, wenn nur das Mittel getauscht wird. Hypnosetherapie setzt an der gemeinsamen emotionalen Wurzel an.
Ob Alkohol, Nikotin, Medien oder Essen – das zugrunde liegende Suchtmuster im Unbewussten bleibt identisch, wenn nur das Mittel getauscht wird. Hypnosetherapie setzt an der gemeinsamen emotionalen Wurzel an.
Von aussen sieht das völlig unterschiedlich aus. Alkohol und Zigaretten haben mit Kaufen oder dem Handy auf den ersten Blick nichts gemeinsam. Von innen ist der Ablauf verblüffend ähnlich: ein Auslöser, ein unangenehmer Zustand, ein Griff, der ihn zuverlässig für kurze Zeit beendet — und ein Unbewusstes, das sich diese Abkürzung sehr gut merkt.
Deshalb behandle ich Spielsucht, Cannabis, Kokain oder die Abhängigkeit von einem Menschen nicht als völlig verschiedene Themen. Der Einstieg ist jedes Mal derselbe Satz: Was macht es für dich, wenn es funktioniert?
Welche innere Lücke soll durch das Suchtmittel im Außen gefüllt werden?
Sucht ist der Versuch, innere Leere, emotionalen Schmerz oder Überforderung durch Reize von außen zu kompensieren. In der Trance schließen wir diese emotionale Lücke auf gesunde Weise.
Sucht ist der Versuch, innere Leere, emotionalen Schmerz oder Überforderung durch Reize von außen zu kompensieren. In der Trance schließen wir diese emotionale Lücke auf gesunde Weise.
In über zehn Jahren Praxis ist mir dabei immer wieder dieselbe kleine Liste begegnet.
Da fehlt die Fähigkeit, von innen runterzukommen — und die Zigarette oder das Glas erledigt es in vier Minuten. Da fehlt es, den lauten Kopf am Abend leiser zu stellen — und irgendetwas macht ihn zuverlässig leise. Da fehlt Trost, und etwas tröstet auf Knopfdruck. Da fehlt das Gefühl, zu genügen — und ein Stoff oder ein Kaufrausch liefert es für zwei Stunden auf Kredit.
Keiner dieser Gründe ist ein Charakterfehler. Es sind Fähigkeiten, die entweder nie gelernt wurden oder irgendwann verlorengegangen sind. Und was man gelernt hat, kann man auch wieder lernen.
Warum ist das Umsteigen von einer Sucht auf eine andere so häufig?
Wird ein Suchtmittel aufgegeben, ohne die unbewusste Funktion zu ersetzen, sucht sich der Drang rasch ein neues Ventil. Durch Hypnose verändern wir die tiefere Ursache, statt Symptomverschiebung zu betreiben.
Wird ein Suchtmittel aufgegeben, ohne die unbewusste Funktion zu ersetzen, sucht sich der Drang rasch ein neues Ventil. Durch Hypnose verändern wir die tiefere Ursache, statt Symptomverschiebung zu betreiben.
Wer eine Sucht ablegt, ohne dass diese Stelle geschlossen wird, landet erstaunlich oft bei etwas Neuem. Aufgehört zu rauchen und angefangen zu essen. Trocken und dafür jeden Abend am Bildschirm. Ich sehe das in der Praxis regelmässig, und es hat nichts mit Schwäche zu tun.
Eine Sucht, die man nur wegnimmt, hinterlässt genau das Loch, das sie gefüllt hat.
Genau deshalb ist die Arbeit an der Wurzel keine Philosophie, sondern der praktische Teil. Wenn du dich selber beruhigen, trösten und wachrütteln kannst, gibt es die Stelle nicht mehr, an der das Nächste andocken könnte.
Warum ist ein einzelner Ausrutscher noch lange kein vollständiger Rückfall?
Ein Ausrutscher zeigt lediglich eine verbliebene Auslösesituation auf und bedeutet nicht den Verlust bisheriger Erfolge. In der Hypnose stärken wir Ihre Resilienz, um nach Stolperern sofort wieder Kurs zu halten.
Ein Ausrutscher zeigt lediglich eine verbliebene Auslösesituation auf und bedeutet nicht den Verlust bisheriger Erfolge. In der Hypnose stärken wir Ihre Resilienz, um nach Stolperern sofort wieder Kurs zu halten.
Und dann gibt es die Tage, an denen es doch passiert. Das Wort «Rückfall» klingt, als wäre man wieder ganz unten — und genau dieser Gedanke ist es, der aus einem einzelnen Abend eine ganze verlorene Woche macht.
Ich nenne es lieber einen Vorfall. Du bist kurz gestolpert, du liegst nicht wieder am Anfang. In der Trance üben wir genau diese Stellen: die Situation zwei Minuten vorher zu erkennen, und danach wieder aufzustehen, ohne dich selbst zu verurteilen.
Was dabei am meisten trägt, ist selten die Disziplin. Es ist der Selbstrespekt. Wer sich selbst wieder etwas wert ist, tut sich vieles schlicht nicht mehr an.

