Warum der Drang stärker wird, je zuverlässiger du ihn bedienst
Die Tür ist zu. Du hast es gesehen, du hast am Griff gezogen, du hast sogar laut «zu» gesagt, damit es hängen bleibt. Und auf halbem Weg zum Bahnhof meldet sich trotzdem die Frage. Nicht als Gedanke – als Druck im Brustkorb, der so lange bleibt, bis du umkehrst.
Wie füttert sich der Kreislauf aus Zwangsgedanken und Zwangshandlungen selbst?
Zwangshandlungen verschaffen kurze Entlastung, bestätigen dem Unbewussten jedoch fälschlicherweise die Notwendigkeit des Zwangs. Hypnosetherapie unterbricht diesen Teufelskreis und nimmt dem Drang die Kraft.
Zwangshandlungen verschaffen kurze Entlastung, bestätigen dem Unbewussten jedoch fälschlicherweise die Notwendigkeit des Zwangs. Hypnosetherapie unterbricht diesen Teufelskreis und nimmt dem Drang die Kraft.
Das Muster ist bei fast allen dasselbe, egal woran es hängt. Ein Auslöser, dann steigt die Anspannung, dann kommt das Ritual, und danach ist für ein paar Minuten Ruhe.
Diese Ruhe ist die Falle. Für dein Unbewusstes ist sie der Beweis, dass die Absicherung funktioniert hat – und was funktioniert, wird beim nächsten Mal früher eingesetzt. So wird der Drang nicht schwächer, weil du ihm nachgibst, sondern zuverlässiger. Die Angst dahinter bekommt nie die Gelegenheit, sich zu irren.
In welchen verschiedenen Formen treten Zwangsstörungen im Alltag auf?
Zwänge äußern sich als Kontroll-, Wasch- oder Ordnungszwang sowie als quälende magische Gedanken. In der Hypnose adressieren wir das gemeinsame Fundament: das unbewusste Bedürfnis nach absoluter Sicherheit.
Zwänge äußern sich als Kontroll-, Wasch- oder Ordnungszwang sowie als quälende magische Gedanken. In der Hypnose adressieren wir das gemeinsame Fundament: das unbewusste Bedürfnis nach absoluter Sicherheit.
Am bekanntesten ist der Kontrollzwang: Türschloss, Herdplatte, Fenster, Steckdosen, in den letzten Jahren auch abgeschickte Mails. Daneben der Waschzwang, der irgendwann bei rissigen Händen und geplanten Wegen endet. Und der Ordnungszwang, bei dem Symmetrie und Reihenfolge stimmen müssen, bevor irgendetwas anderes gehen kann – die Grenze zum Perfektionismus ist hier fliessend.
Am schwersten auszusprechen sind die Zwangsgedanken ohne sichtbare Handlung. Der Inhalt ist oft genau das, was einem am meisten zuwider ist: Gewalt, Unfall, Schuld, etwas Sexuelles. Das Ritual läuft dann im Kopf – nachrechnen, durchgehen, sich rückversichern – und ähnelt von aussen dem Grübeln, fühlt sich innen aber ganz anders an.
Solche Gedanken hat übrigens fast jeder Mensch schon gehabt; bei den meisten segeln sie durch und sind weg.
Welches unbewusste Schutzbedürfnis verfolgt der innere Wächter hinter den Zwängen?
Der Zwang ist der Versuch eines inneren Wächters, Katastrophen oder Schuldgefühle mit aller Macht zu verhindern. In der Trance verhandeln wir mit diesem Wächter und vermitteln ihm moderne, entspannte Sicherheitswege.
Der Zwang ist der Versuch eines inneren Wächters, Katastrophen oder Schuldgefühle mit aller Macht zu verhindern. In der Trance verhandeln wir mit diesem Wächter und vermitteln ihm moderne, entspannte Sicherheitswege.
In meiner Arbeit begegnet mir dahinter fast immer eine Zeit, in der Wachsamkeit vernünftig war. Ein Haushalt, in dem etwas Schlimmes passiert ist. Eltern, denen Ordnung mehr bedeutet hat als fast alles andere. Eine Phase, in der niemand ausser dir aufgepasst hat.
Dein Unbewusstes hat daraus eine Regel gebaut, und weil die Regel damals gehalten hat, wurde sie nie mehr überprüft.
Deshalb ist Bekämpfen der schlechteste Zugang. Wer gegen den eigenen Wächter antritt, macht ihn nervöser, und ein nervöser Wächter kontrolliert mehr.
Was verändert sich in der Hypnosetherapie bei Zwangsstörungen konkret?
In der Trance erleben Sie, dass die Anspannung auch ohne Ausführung des Zwangs von selbst abflaut. Diese körperliche Erfahrung entmachtet den Zwangsimpuls nachhaltig.
In der Trance erleben Sie, dass die Anspannung auch ohne Ausführung des Zwangs von selbst abflaut. Diese körperliche Erfahrung entmachtet den Zwangsimpuls nachhaltig.
Wir sprechen diesen Anteil direkt an und fragen ihn nach seiner Absicht. Fast immer ist sie ehrenwert: Niemand soll durch deine Schuld zu Schaden kommen. Diese Absicht darf bleiben. Was sich ändert, ist das Mittel.
Von dort gehen wir an die Situation zurück, in der die Kopplung entstanden ist, und nehmen ihr die Ladung. Und wir bauen etwas auf, das im Alltag kaum zu üben ist: das Erleben, dass der Drang steigt, du nichts tust und die Welt trotzdem stehen bleibt. Wer das einmal im eigenen Körper erlebt hat, argumentiert danach nicht mehr dagegen an – er weiss es.
Dazu kommt ein Satz, den viele aus der Trance mitnehmen und der mehr trägt, als er klingt: Ich bin nicht meine Gedanken. Ich bin der, bei dem sie vorbeikommen.

